Auch ein Zwangsouting kann positiv enden

Seit ich von meiner Neigung weiss, versuche ich sehr offen mit dem Thema SM umzugehen. Ich habe einfach keine Lust, mich f�r etwas zu verstecken, was ich als �normal� ansehe. Zwar gehe ich nicht zu jedem x-Beliebigem und dr�nge ihm meine sexuellen Phantasien auf, aber ich rede auf meiner Page doch relativ offen �ber meine Erfahrungen. Wer es lesen will, der m�ge es tun, alle anderen k�nnen sich ja andere Seiten anschauen.

Aber meine Offenheit wurde mir vor einiger Zeit im Job beinahe zum Verh�ngnis. Ich erfuhr von einer Kollegin, dass die URL zu meiner Page bei den MitarbeiterInnen �heiss� gehandelt wurde. Bis dahin fand ich die Geschichte noch realtiv �witzig� und hab mir schon vorgestellt, wie lustig das Zusammentreffen mit Kollegen beim SM-Stammtisch sein k�nnte.

Der Spa� bekam aber relativ schnell einen erheblichen D�mpfer. Denn schon ein paar Tage sp�ter zitierte mich mein Chef zu sich und er�ffnete mir, dass ihn ein Mitarbeiter auf meine Homepage hingewiesen hatte und meinte, dass solle er sich doch mal ansehen. Mein Chef f�gte gleich hinzu, dass er sich die Seite angesehen habe, aber damit keine Probleme habe, das sei mein Privatleben. Ich solle doch nur �berlegen, ob ich das ganze nicht �entsch�rfen� wolle. Da ich ja gewisse Karrierevorstellungen habe, k�nne es sein, dass mir diese Seite bei einem sp�teren Auswahlverfahren vielleicht zum Verh�ngnis w�rde.

Ich habe ihm gesagt, dass jeder, der eine Page habe, sowieso mit vollem Namen etc. registriert sei. Meinen Namen zu l�schen oder den Namen zu ver�ndern h�tte keinen Sinn. Zudem s�he ich nicht die Notwendigkeit, weil dies - wie er ja auch betonte - mein Privatleben sei und wenn jemand damit ein Problem habe, dann m�ge er einfach andere Seiten anschauen bzw. mit mir dar�ber reden und nicht mit ihm.

Das h�rt sich jetzt ziemlich abgebr�ht an, aber ehrlich gesagt, bin ich schon ziemlich ins Schwitzen gekommen und froh, dass ich relativ schnell meine Fassung wiedergefunden hatte, um ihm passend zu antworten. Ich hab mich danach auch noch ein wenig informiert (von wegen K�ndigung und solche Sachen) und zudem auch unseren Personalrat ins Vertrauen gezogen (der das alles aber eh schon vorher wusste *lacht*, weil der �Tratschende� wohl auch dort schon war), und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich auch weiterhin nicht verstecken werde. Wenn jemand danach fragt, bekommt er/sie auch ehrliche Antworten.

Ich bin kein anderer Mensch geworden, nur weil jetzt der/die ein oder andere von meinen Neigungen weiß ... denn diese hatte ich schon lange, bevor mich diese Menschen �berhaupt kannten.

Aber mir ist auch klar, dass insbesondere ein Zwangsouting nicht immer SO ausgeht. Mir sind einige andere F�lle bekannt, bei denen es auch um Existenzen ging, die vernichtet wurden. Umso wichtiger ist es mir, dass die, die offen dazu stehen k�nnen, es auch tun. Einfach, um das Bild der Sadomasochisten in der �ffentlichkeit irgendwann einmal grade zu r�cken.

Auch wenn ich keinen rechtlichen Rat geben kann und letztendlich jeder f�r sich entscheiden muss, welcher Weg der beste ist, so kann ich wenigstens zuh�ren ... und auch das kann schon eine Hilfe sein!

Alle Outings (von mir aus) im privaten Bereich sind �brigens sehr positiv aufgenommen worden, sogar bei Menschen, bei denen ich am allewenigsten damit gerechnet h�tte :-)

Mehr �ber mich findest Du auf der Seite www.daisygt.de.

Anke